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Quelle: themoviedb.org

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Privatdetektiv Philip Marlowe wird vom greisen General Sternwood engagiert, um in einem relativ banalen Erpressungsversuch zu ermitteln. Der Auftakt zu einer unvorhersehbaren Ereignungskette, die für einige in dem finalen, großen Schlaf mündet…

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Raymond Chandler erschuf in seinem 1939 veröffentlichten Roman The Big Sleep mit Privatdetektiv Philip Marlowe eine der prägenden Figuren der Hard-Boiled-Literatur, die es in der Folge einige Male auch auf die große Leinwand schaffte. Die berühmteste Version ist sicherlich Tote schlafen fest aus dem Jahr 1946, in der Starregisseur Howard Hawks (Leoparden küsst man nicht) eben diese Vorlage in einen wüsten Ritt durch die Unterwelt verwandelte. Ein wahrer Klassiker nicht nur des Film Noir, sondern auch der Filmgeschichte im Allgemeinen. Damals schlüpfte Humphrey Bogart (Die Spur des Falken) in die Rolle des Philip Marlowe, verlieh ihr ein bis heute einzigartiges Eigenleben und flirtete nebenbei mit der noch jungen Lauren Bacall (Mord im Orient Express). Mehr als vierzig Jahre später versuchte sich der in den 70ern sehr gut beschäftigte Genre-Regisseur Michael Winner (Kalter Hauch, Ein Mann sieht rot, Hexensabbat) an einer zeitgemäßen und inhaltlich sogar deutlich werkgetreueren Adaption. Im Original nach wie vor The Big Sleep, für den deutschen Markt leicht abgeändert in Tote schlafen besser. Nun, und genau das stimmt leider ganz und gar nicht…

Allein der Transfer aus dem Los Angeles der späten 30er bzw. frühen 40er Jahre in das moderne England der 70er nimmt dem Stoff einiges seines unverzichtbaren Stallgeruchs. Es lassen sich nun mal nicht alle Geschichten 1:1 in einen anderen zeitlichen wie gesellschaftlichen Kontext übertragen, auch wenn die Idee an und für sich wenigstens den Versuch wert sein kann. Es muss dann eben passen oder dem Geschehen einen neuen, attraktiven Ansatzpunkt geben. Dieser lässt sich hier nicht nur keinesfalls erkennen, es zerstört sogar eklatant die unverzichtbare Stimmung der Vorlage, die besonders die Erstverfilmung explizit für sich zu nutzen vermochte. Statt eines (bewusst zu) verwinkelten und ungemein stilsicheren Film Noir auf inszenatorisch beinah revolutionärem Niveau wird man hier mit einem altbackenen, uninspirierten Krimi auf leicht gehobenem TV-Niveau konfrontiert. Michael Winner, der auch selbst das Skript verfasste, könnte man noch schuldmindernd anrechnen, dass er vielleicht die „Unzulänglichkeiten“ von Tote schlafen fest ausbessern wollte und deshalb sehr dicht an der literarischen Vorlage blieb; erläuternde Rückblenden inklusive. Das mag oberflächlich betrachtet kein Fehler sein, in diesem speziellen Fall jedoch die endgültige Bankrotterklärung.

Warum ist der Film von Howard Hawks denn so brillant? Weil er sich einer eigentlich völlig überfrachtet Geschichte annimmt und gar nicht erst versucht sie bierernst zu gestalten, sondern ihre Schwächen in eine Geheimwaffe verwandelt. Nicht umsonst dürfen moderne Meisterwerke wie The Big Lebowski (1998) und Inherent Vice – Natürliche Mängel (2014) als ehrfürchtige Hommagen an ihn betrachtet werden. Eine geniale Dekonstruktion üblicher Kriminalgeschichten, in dem eben gewisse Details als so absurd und ironisch interpretiert werden, wie sie bei genauer Betrachtung definitiv sind. Da verlaufen Sideplots eben in der Masse einer provozierten Konfusion, was mit einem sarkastischen Achselzucken so hingenommen wird – und exzellent verkauft wurde. Tote schlafen besser tut dies nicht. Er folgt stoisch der Vorlage und versteht überhaupt nicht, wo der Esprit der Erstverfilmung lag. Oder kann ihn nicht nachstellen. Etwas Witz verbirgt sich auch hier, aber mehr schlecht als recht. Das einzige Highlight ist Oliver Reed (Landhaus der toten Seelen), der in der Rolle des Eddie Mars so wunderbar Over the Top geht, dass es wenigstens etwas an den Enthusiasmus des Erstlings erinnert. Ansonsten ist selbst die namentliche Starbesetzung kaum der Rede wert. Robert Mitchum verkörpert Philip Marlowe nach Fahr zu Hölle, Liebling zum zweiten Mal, aber inzwischen schon weit über seinen Zenit hinaus. Ein stark gealterter James Stewart (Vertigo – Aus dem Reich der Toten) hat seine zwei Szenen, aber ganz gruselig ist Sarah Miles (Blow-Up) die gemeinsam mit ihrer Filmschwester Candy Clark (American Graffiti) um die Wette chargiert. Miles gewinnt nach Punkten glasklar – der Film leidet darunter noch mehr als nötig.

Übrigens: Wenn möglich, nicht in der (oder diesen) deutschen Synchro anschauen. Lustlos ist noch diplomatisch formuliert.

Fazit

Toten schlafen hier definitiv nicht besser, sondern werden unnötig wieder zum Leben erweckt. Das Projekt an sich ist schon gewagt, die Umsetzung bestätigt nur die berechtigten Skeptiker. Ein lauer Neuaufguss mit in die Jahre gekommenen Stars, dessen Geschichte per se ausreichend ist, gegen den (im Original) Namensvetter aber keinen Stich sieht.

Autor: Jacko Kunze

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